Lexikon zur Endzeit Couch, Mal (Hrsg.):

Lexikon zur Endzeit.

Ein praktischer Führer zu Personen, Standpunkten und dem Studium biblischer Prophetie und Heilsgeschichte

Dillenburg 2004, Christliche Verlagsgesellschaft


Amerikanische Originalausgabe:
Couch, Mal (ed.):
Dictionary of Premillennial Theology.
A Practical Guide to the People, Viewpoints, and History of Prophetic Studies.
Grand Rapids, MI 1996, Kregel Publications

Der Originaltitel charakterisiert das Buch ein bisschen besser: Dictionary of Premillennial Theology. Man sollte (trotz des Umfangs dieses Werkes) keine völlig ausgewogene Darstellung der verschiedenen Positionen erwarten – der Schwerpunkt liegt klar auf dem prämillennialen Ansatz, der besagt, dass Jesus Christus bei seinem zweiten Kommen das Tausendjährige Reich aufrichtet. Das ist durchaus kein Nachteil, denn der prämilleniale Ansatz erscheint mir persönlich derjenige zu sein, der mit der biblischen Lehre am besten überein stimmt.

Dass das Werk eine Übersetzung aus dem Englischen ist, merkt man ihm an. Die englischen Fachbegriffe (wie Prämillennialismus) wurden beibehalten. Der deutsche Herausgeber rechtfertigt das im Vorwort, und grundsätzlich ist dagegen auch nichts einzuwenden. Aber es wurde leider versäumt, für den Leser, dem die englischen Fachbegriffe nicht geläufig sind, Einstiegshilfen zu geben.

Wer etwa das Stichwort Tausendjähriges Reich (eines der zentralen Themen der Endzeitprophetie überhaupt!) sucht, wird enttäuscht. Auch Reich, tausendjähriges, das der erfahrene Lexikonbenutzer probieren wird, führt nicht zum Ziel; weder im Hauptteil noch im Stichwortverzeichnis findet man einen entsprechenden Einstiegspunkt. Fündig wird nur, wer weiß, dass Millennium der englische Fachbegriff für Tausendjähriges Reich ist.

Vergeblich sucht man etwa auch die Stichwörter Wiederkunft Jesu (behandelt unter Ankunft Christi), Drangsal Jakobs (behandelt unter Trübsal), Jahrwochen oder 70 Jahrwochen (behandelt unter Daniels siebzig Jahrwochen).

Gerade weil zur Präsentation des Stoffes die Form eines Lexikons gewählt wurde, vermisst man schmerzlich die Hilfen, die einem ein Lexikon üblicherweise bietet: Ausführliche Querverweise (die gibt es zwar, aber spärlich) und zusätzliche Einstiegspunkte, so dass man auch Themen findet, die keinen eigenen Eintrag haben. Höchst hilfreich wäre auch ein Bibelstellen-Register, aber das ist nicht vorhanden. Sucht man etwa den Artikel, in dem das Gleichnis aus Mattäus 13,24-30.36-43 behandelt wird, ist das nicht gerade einfach: Beim Durchblättern hat man festgestellt, dass biblische Bücher mit relevanten Passagen einen eigenen Eintrag bekommen. So sucht man als erstes Matthäus, Eschatologie – Fehlanzeige. Dann findet man im Stichwortverzeichnis unter Matthäus den Verweis auf S. 167, wo man Matthäus schließlich als Unterabschnitt von Evangelien, Eschatologie findet.

Im Prinzip könnte das Stichwortverzeichnis ab S. 555 eine Hilfe sein, aber leider ist es nicht viel mehr als eine Auflistung der Artikelüberschriften. Eine Stichprobe hat ergeben, dass auf den ersten beiden Seiten von 143 Einträgen 122 identisch sind mit Überschriften von Artikeln, die man im Hauptteil findet.

Auch qualitativ ist das Stichwortverzeichnis eher mäßig. So ist zum Stichwort Zweites Kommen Christi nur ein einziger Verweis angegeben, und der führt noch zu einem wenig informativen Ziel anstatt zum Artikel Ankunft Christi, erste und zweite; auf den weist zwar der Eintrag Christus, Kommen, zweites hin, aber wer kommt auf die Idee, dort auch noch zu suche, wenn er schon Zweites Kommen Christi gefunden hat?

Dass es bei den Querverweisen manchmal etwas hapert, dürfte der Übersetzung zuzuschreiben sein; etwa wenn vom Artikel Pentecost, J. Dwight verwiesen wird auf Reiche, universell und als Mittler, der Artikel aber Reich Gottes, universell und vermittelnd heißt. Das sind kleine Schönheitsfehler, die den Wert nicht mindern.

Was komplett fehlt, ist ein Artikel über Symbolik. Das ist zwar kein wirklicher Mangel (bei all dem Unsinn, der schon über biblische Symbolik und insbesondere über Symbolik in der Offenbarung geschrieben worden ist), aber ein paar Worte zu 666 hätte ich schon erwartet.

Was dagegen komplett hätte fehlen können, ist der Artikel Hohelied, Eschatologie – er steuert zum Thema nicht das Allergeringste bei …

Was nirgends erklärt wird: ein * hinter einem Wort im Hauptteil zeigt an, dass es für dieses Wort einen Eintrag in den Begriffserklärungen (S. 562-563) gibt.

Fazit: Wenn man den Zugang findet zu dem, was man sucht, so sind die Artikel biblisch fundiert, gründlich und informativ (bei allem Vorbehalt – speziell derartige Bücher sind naturgemäß nicht vollkommen; es ist immer ein gesundes Misstrauen, ein kritisches Prüfen an der Schrift nötig). Der Zugang wird dem deutschen Leser aber leider unnötig schwer gemacht. Daher ist mein Vorschlag: durchblättern, Interessantes lesen und den (wenigen) Querverweisen folgen. Dieses Vorgehen wird wahrscheinlich manche Überraschung bieten, denn wer käme schon auf die Idee, unter Hippolyt nachzuschlagen, wenn er sich mit Endzeitprohpetie beschäftigt?

Für eine Neuauflage wäre wünschenswert: