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Da ist sie also, die Kündigung

Veröffentlicht am 09.08.2020

Tadaa, hier flattert also das Einschreiben mit der schriftlichen Kündigung ins Haus, gerade rechtzeitig, am vorletzten Tag des Monats.

 

Aber was ist das denn? Datum: 15.07.2020, heute ist der 30. – Hmmmm …

 

Und was steht da? “Ordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses für die vorzeitige Pensionierung”?! Hatte ich nicht klar gemacht, dass das für mich nicht in Frage kommt?

 

Und was steht da noch?! – “… unter Einhaltung der 2-monatigen Kündigungsfrist …”? Wieso zwei Monate? In meinem Arbeitsvertrag steht doch, dass ich nach dem neunten Anstellungsjahr (im Juni vollendet) drei Monate Frist habe. Aber vielleicht kann ich ja nicht rechnen, daher kurze Rückfrage beim Rechtsanwalt: Der sieht es genauso. War es da wieder jemandem zu mühsam, sich mit lästigen Details zu befassen?

 

Also – sind wir nett und schreiben ein Briefchen, um sie auf ihre Irrtümer aufmerksam zu machen. 

 

An der Kündigung als solcher ändert das aber leider nichts. Also fangen wir mal an, uns auf das RAV (in Deutschland: Arbeitsamt) vorzubereiten. Die werden garantiert einen Lebenslauf in Deutsch verlangen. Ist in der IT zwar eher unüblich, aber was soll’s – sie verlangen die deutsche Version, das weiss ich.

 

Vor einiger Zeit hatte ich die geniale Idee, mein CV in Form zu bringen. Denn, ehrlich gesagt, seit ca. zwei Jahren haben sie mir keine interessanten Jobs mehr gegeben. Es hat mich so angeödet, dass ich mir einen Kalendereintrag gemacht hatte, um mit meiner Chefin über zukünftige Jobs zu sprechen. Nur dass sie mich für genau diesen Tag zum ersten F2F-Meeting eingeladen hatten. Das Gespräch mit meiner Chefin hatte sich damit erledigt … 

 

Aber ich schweife ab, zurück zum CV. Das hatte ich (natürlich in Englisch) schon ganz gut in Form gebracht. Ich hatte früher für mich selbst und für andere ja schon einige CVs geschrieben. Was war das immer für eine elende Fummelei gewesen! Fügst du hier was ein, zerreisst es dir dort das Layout. Spaltest du hier eine Tabelle auf, musst in den anderen manuell dafür sorgen, dass alle wieder gleich aussehen usw. usw., echt mühsam. Daher kam ich auf die Idee, von diesen Textverarbeitungsprogrammen die Finger zu lassen und bin auf ein Profiwerkzeug umgestiegen – LaTeX, das Textsatzsystem, das ich auch für meine Publikationen verwende; es ist doch gar nichts naheliegender!

 

Jetzt konnte ich mal alle Register ziehen, und was bisher noch nie der Fall gewesen war: ich hatte wirklich und wahrhaftig Spass am CV-Schreiben! Für mein nächstes Buch hatte ich mir eine Mechanik gebaut, die es erlaubt, die deutsche und die englische Version in ein und derselben Datei zu pflegen. Die hat auch im CV hervorragend funktioniert – ich brauche nur einen Schalter umzulegen, und TeX spuckt die deutsche Version aus. Noch eine geniale Idee: bedingte Elemente. Man will ja sein CV an den angestrebten Job anpassen. Wenn ich mich z.B. bei Novartis bewerben will, kann ich jetzt einen anderen Schalter umlegen, und ohne dass ich irgend etwas umformulieren müsste, enthält das CV mehr Novartis-spezifische Details. Schade eigentlich, dass ich das nicht beruflich machen kann!

 

Falls es jemanden interessiert: hier ist das CV in Deutsch und Englisch und hier der LaTeX-Quelltext (in jedem Editor zu betrachten; die volle Schönheit entfaltet sich mit einem Font mit fester Zeichenbreite).




Du weisst, dass du gefeuert bist ...

Veröffentlicht am 30.07.2020

... wenn du von einer HR-Managerin, die du überhaupt nicht kennst, gegen Monatsende per E-Mail eine Meeting-Einladung ins Hauptquartier bekommst, die den Titel "F2F Meeting" hat. Ohne jeden Hinweis darauf, worum es geht. Und du auf deine Nachfrage hin die vielsagende Antwort bekommst, es gehe "um die nächsten Schritte".

Cool - das hat einen Hauch mehr Stil als mein letzter Hinauswurf … der fand am Telefon statt. (Damit kein falsches Bild entsteht: sechs Jobs in 34 Jahren, und jetzt erst zum zweiten Mal gefeuert! Genau genommen handelte es sich beim ersten Hinauswurf letztlich sogar um eine Aufhebung des Arbeitsvertrages in gegenseitigem Einvernehmen - also wurde ich eigentlich jetzt zum ersten Mal gefeuert).

Das Meeting selbst war dann auch ziemlich … na ja, ich suche noch nach einem Attribut, das sowohl zutreffend als auch druckreif ist. Es tat ihr ja leid, der jungen HR-Managerin, aber es gäbe halt wirklich keine Projekte mehr, in denen sie mich einsetzen könnten. Ich soll doch am besten in Frühpension gehen.

Frühpension? Mit 60? Ich hatte mich mit der Pensionsfrage vor einiger Zeit schonmal kurz auseinander gesetzt und war überschlagsweise zu dem Schluss gekommen, dass ich bis zum letzten Tag arbeiten muss, um finanziell einigermassen über die Runden zu kommen. So liess ich also einfliessen, dass eine Frühpensionierung absolut nicht in Frage käme. Nein, nein - ich solle doch mal mit dem Herrn Sowieso von der Dings-Versicherung sprechen, so unsere junge HR-Managerin; anscheinend eine Kapazität auf ihrem Gebiet und bis ins Detail auf das Gespräch vorbereitet (*Ironiemeter: Vollausschlag*).

Der Herr Sowieso von der Dings-Versicherung erklärte mir dann, dass die Rentenversicherung erst ab einem Alter von 63 Jahren überhaupt etwas bezahlt. Was heute von der Pensionskasse käme, wäre zum Sterben ein bisschen zu viel, aber zum Leben ohne jeden Zweifel zu wenig.

Ich freue mich immer, wenn ich mit Respekt und Fairness behandelt werde - aber sowas macht mich sauer.

A propos Fairness: Tags darauf meldeten sie sich dann bei mir und bestätigten, dass das alles nicht so richtig gut gelaufen wäre, aber es sei halt, wie es sei. Eine richtige Entschuldigung habe ich allerdings nicht gehört …

Also - warten wir auf die schriftliche Kündigung.

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